Wer schon immer den Verdacht hegte, an der Information Technology (IT) im Allgemeinen und mit der IT in Unternehmen im Besonderen stimme etwas nicht, hat Recht gehabt. Die Autoren Hendrik Leitner und Hartmut Wiehr haben in dem Buch „Die andere Seite der IT“ zusammengefasst, was nicht zusammenpasst: Computer kaufen und Kosten senken.
Die Lektüre mit dem bedeutungsschwangeren Untertitel „Business-Transformationen durch Services und dynamische Infrastruktur“ ist schwere Kost, die sich partiell wie eine Diplomarbeit liest und standesgemäß mit ausführlichen Zitaten und detaillierten Quellenangaben überladen ist. Wären die 245 Seiten Text und Tabellen plus 23 Seiten klein gedruckte Anmerkungen und Literaturhinweise auf die Hälfte komprimiert, hätten auch Geschäftsführer, Gründer und IT-Verantwortliche von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) ihre Freude daran. Wer das Buch verstehen will, braucht Zeit, viel Zeit.
Zu lernen gibt es einiges – zum Beispiel was Chief Information Officers (CIOs) sein könnten, wie Hardware- und Software-Konzerne ticken und warum die Margen unter „Commodity“ leiden. Letzteres kann laut Oxford-Dictionary ein Gebrauchsartikel oder Rohstoff sein. Das Wort wird auf jeder zweiten Seite mindestens einmal, insgesamt also mehrere Dutzend Mal erwähnt.
Berücksichtigt man, dass Hendrik Leitner Marketing & Business Development Manager bei Fujitsu Siemens Computers (FSC) ist, fallen die meisten Schlussfolgerungen bemerkenswert direkt aus. Nur auf Seite 183 verliert sich der Autor in Eigenlob für seine Company. Ansonsten werden gute und schlechte Taten von IBM und ähnlichen Konzernen genüsslich seziert. Besonders interessant sind die Einschätzungen der Leistungen von Beratungsunternehmen und wie es um die Zukunft der Gewinnerzielung mit IT-Unterstützung bestellt sein könnte.
Dazu muss man wissen, dass Unternehmen allein in Deutschland im laufenden Jahr rund 93 Milliarden Euro in ihre Computer- und Kommunikationsstruktur investieren. „2008 sollen es laut einer Untersuchung von Techconsult 95,8 Milliarden sein“, meldet iX, das Magazin für professionelle Informationstechnik in seiner Ausgabe 10/2007. Passend dazu finden sich in dem zwei Jahre zuvor geschriebenen Buch brauchbare Analysen und Thesen für IT-Verantwortliche, ob und was im eigenen Unternehmen zu beachten ist, damit sich Investitionen in neue Computer, Software und Services rechnen – IT-Abteilungen also nicht nur Geld kosten, sondern erwirtschaften.
Die Moral von der Geschicht’ – traue den Marketingversprechen der IT-Anbieter nicht. Bedenkt man Leitners Beruf, klingen seine Erkenntnisse wie zum Beispiel auf Seite 199, „am Ende der Tätigkeit eines CIOs, der beispielgebend agiert, steht seine Abdankung“ oder das Zitat eines Gartner-Analysten, „Dashboards sind Teufelszeug und gehören verboten“ auf Seite 203, fast schon wie Geständnisse, zumal es mehr kluge Sprüche gibt, die durchaus zu denken geben.
Fazit: Das Buch ist ein Muss für alle Unternehmer, Abteilungsleiter und Projektverantwortliche, die dem Thema IT in ihrem Betrieb mehr Aufmerksamkeit beimessen, als es die wirtschaftlichen Resultate erlauben. Es müsste nur kompakter geschrieben sein, damit man es nicht immer wieder aus der Hand legt, weil es eben Wichtigeres als die eine oder andere Seite der IT gibt (tj).
- Die andere Seite der IT
- Business Transformation durch Services und dynamische Infrastruktur
- Hendrik Leitner, Hartmut Wiehr
- Verlag: ZAZAmedia
- Gebundene Ausgabe: 272 Seiten, Auflage: 2006
- ISBN: 3-924943-47-8, 35 Euro

