Die Wirtschaftsvordenker Anja Förster und Peter Kreuz vertreten die These, dass es nicht reicht, jeden Tag ein bisschen besser zu werden. Das Ziel muss Einzigartigkeit sein. Denn für das Autorenduo ist es reine Zeitverschwendung, etwas Mittelmäßiges zu tun. An vielen Bespielen, von Bayern München über Motor FM bis SAP, zeigen sie, dass es in der Wirtschaft und der Gesellschaft auch anders geht. Förster und Kreuz propagieren das Verlassen der ausgetretenen Pfade und den Mut, sich auf Unwägbarkeiten einzulassen und mit Scharfsinn und Kreativität Neues zu riskieren.
Die beiden Autoren möchten nicht mehr und nicht weniger als den Satz „Wir sind erfolgreich“ aus dem Wörterbuch des Managements zu streichen. Für sie gibt es keine erfolgreichen Unternehmen. Es gibt nur solche, deren Entscheidungen in der Vergangenheit ihnen bessere oder schlechtere Chancen für die Zukunft eröffnen, wobei eine schrittweise Verbesserung der schlimmste Feind der Innovation ist.
Als Innovation lassen Förster und Kreuz nur gelten, wenn der Kunde bei dem Anblick des Produkts oder der Dienstleistung Hurra schreit und sein Portemonnaie zückt. Wer ein normales Produkt anbietet, das zwar seine Funktionen erfüllt, hat schon verloren. Das Abnormale, das Außergewöhnliche wird die Märkte erobern. Es sind deshalb typischerweise die Außenseiter und Newcomer, die etablierte Branchen revolutionieren. Sie erfinden das Geschäft einfach neu wie Anita Roddick, die Erfinderin der Shop-Kette für Kosmetik „The Body Shop“, oder Richard Branson, der mit „Virgin Atlantic“ eine Fluglinie schuf, die Rock ’n’ Roll zum Abheben sein sollte.
Im zweiten Teil ihres Buches „Vom Führungsamt zur Führungspersönlichkeit“ beschreiben die Autoren die Tugenden, die Manager haben sollten, wenn sie zu den Gewinnern zählen möchten. Dazu gehören gelenkte Wut, gesunder Größenwahn und die Bereitschaft, Grenzen zu überschreiten. Die klassischen Management-Werkzeuge sind für Förster und Kreuz völlig out, denn sie verleiten die Führungskräfte nur dazu, ihr Hirn auf Standby zu schalten. Es ist vor allem die ungeheure Absicherungsmentalität im deutschen Management, die allen Innovationswillen lähmt. Das Autorenduo geht sogar so weit zu behaupten, dass in vielen Organisationen das Topmanagement eher nackt über Glasscherben kriechen würde, als etwas wirklich Neues zu riskieren.
Im dritten Teil ihres Buches zeigen Förster und Kreuz, wie Angestellte sich vom Arbeitsplatzhalter zum Lieferanten von Werten verwandeln können. Es ist fünf vor zwölf, denn die Deutschen leben in einem Land, das jeden Tag etwas dümmer und träger wird. Deshalb wird lebenslanges Lernen zur ersten Bürgerpflicht. Denn wer wissbegierig ist, keine Angst vor Veränderungen hat und nicht vor jedem kleinen Risiko zurückschreckt, wird in der Arbeitswelt von morgen Chancen haben wie nie zuvor.
In der Arbeitswelt von heute ist nur sicher, dass kein Job mehr sicher ist. Früher hatte man einen Job fürs Leben, heute hat man ein Leben voller Jobs. Laut Förster und Kreuz ist das Leben ein Projekt und das gesamte Arbeitsleben eine Aneinanderreihung von Projekten. Um im Erwerbsleben von morgen erfolgreich zu sein, muss jeder jeden Tag daran arbeiten, einzigartige Fähigkeiten und einen unverwechselbaren Stil zu entwickeln. Menschen, die dieses Prinzip verstanden haben, bilden sich fort und erwerben immer neue Kenntnisse, um Wunschkandidaten für potenzielle Arbeitgeber zu werden, immer und zu jeder Zeit.
Fazit: Ein anregendes, ein tolles Buch. Wer für das Ungewöhnliche offen ist, wird gar nicht mehr aufhören können zu lesen und anschließend den tiefen Wunsch verspüren, die Langweilerrepublik Deutschland mit ungewöhnlichen Ideen umzukrempeln. (hkl)
- Alles, außer gewöhnlich
- Provokative Ideen für Manager, Märkte, Mitarbeiter
- Anja Förster/Peter Kreuz
- Verlag: Econ
- Gebundene Ausgabe: 286 Seiten, Auflage 6: 2008
- ISBN: 978-3-430-20016-5, 22,00 Euro





