Die Betaversion einer Prognose

Joachim Graf, HighText, iBusiness frontalVon Joachim Graf, Redaktion iBusiness

Weil das Web 2.0 ganz langsam ins taktische Visier der Unternehmen rückt, ist es an der Zeit, sich zu überlegen, was nach dem Social Web kommt.

In der Branche wird gegenwärtig viel über „Web 2.0“ diskutiert. In aller Regel werden mit diesem wunderschönen Marketing-Buzzword „Weblogs“ gemeint – denn das ist die wichtigste, die sichtbarste und funktionierendste Web-2.0-Anwendung.

In kompetenteren Kreisen versteht man unter Web 2.0 Begriffe wie „Nutzergenerierte Inhalte“ und „Social Software“. Kampfbegriff: Aus dem „Read-only-Web“ werde das „Writable Web“. Damit ist das World Wide Web also da wieder angekommen, wo es vor dem Hijacking der Marketingabteilungen Mitte der 90er-Jahre schon einmal war: Bei der Austauschplattform von Inhalten. Web 2.0 ist also die Rückkehr zu Web 0.2 – wenn auch auf eine (dialektisch) höheren Ebene.

Im Run auf das nächste große Ding vergisst man hin und wieder, dass auf jedes nächste große Ding ein übernächstes folgt. Ich habe das der Einfachheit halber „Web 3.0“ genannt.

Diese Zukunft des Internets wird sich in den kommenden 60 Monaten manifestieren:

  • Das Ende der Zielgruppe: Die Zielgruppenatomisierung setzt sich fort, die Selbstidentifikation von Nutzern mit definierbaren Gruppen schrumpft und wird immer zufälliger und sprunghafter. Die künftige Zielgruppengröße im Internet wird 1 sein.
  • Das Ende der Reklame: Immer mehr Nutzer wollen Beziehung statt Dialog. Klassische Reklame wird immer stärker von Vermeidungsstrategien der Konsumenten unterbunden. Behaviour-Marketing und -Sales werden klassische Einblendwerbung ablösen. Empfehlungssysteme und Community-Verkauf bilden den Übergang zwischen Web 2.0 und Web 3.0.
  • Das Ende der Produkthoheit: Das Vordringen von Preisvergleichssystemen lässt das Unterscheidungskriterium „Preis“ im Web verschwinden. Als neue Produkt-USP wird sich die (standardisierte, webbasierte, vollautomatische) Individualisierung von Produkten herausbilden. Im zweiten Schritt werden Nutzer und potenzielle Käufer immer stärker schon in die Entwicklung von Standardprodukten mit einbezogen. „Open Innovation“ löst die Marktforschung ab.
  • Das Ende der Kaufhoheit: Abseits der Impulskäufe werden künftig intelligente Agenten den Kaufvorgang von der Produktsuche über den Preisvergleich bis hin zur Order ganz oder teilweise übernehmen. Die künftige Herausforderung ist, innerhalb dieser Agentensysteme mit seinen Produkten präsent zu sein. „Agentenoptimierung“ statt „Suchmaschinenoptimierung“ heißt das Dienstleistungsmodell der Zukunft.

Web 2.0 wird Marketing und Kommunikation verändern – Web 3.0 den kompletten Wertschöpfungsprozess von Produktion bis After-Sales.

Warum man wissen muss, was in den nächsten fünf Jahren kommt? Erstes Argument: Weil jede taktisch richtige Entscheidung in einem Unternehmen nur dann auch wirklich richtig ist, wenn sie zusätzlich strategisch in die richtige Richtung führt. Zweites Argument: Bis man einen größeren oder großen Tanker – Mittelständler oder Großunternehmen – strategisch auf Web-3.0-Kurs gebracht hat, werden ohnehin drei oder vier Jahre vergehen. Womit man dann gar nicht mehr so weit entfernt ist, von der ach-so-fernen Web-3.0-Zukunft.

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7 Kommentare:

  1. @ zonk – Der Gedanke die tatsächlich wahrgenommene Umwelt verstärkt oder mit speziellen Zusätzen durch das Web zu erweitern hat einen quasi unendlichen Reiz/Nutzen für alle! Und bezahlbar sowie technisch zu realisieren wird es auch bald für Jedermann sein. Schöner Gedanke.

    Eine Schnitzeljagd könnte ungeahnte fantasiereiche Ausmasse annehmen – um es mal nur spielerisch zu betrachten. Vom reinen Alltags-Nutzen & Marketingzwecken mal abgesehen. Witzig, unterstützend, unterhaltsam und spannend!:o)

  2. Das nächste grosse Ding sind location-based services. Das Internet wird mobil. Zugang zur transzendentalen Internetwelt wird nicht mehr nur vom Bürostuhl zu Hause aus möglich, sondern überall. Dabei könnte mit einem GPS eine Verbindung zwischen dem aktuellen geographischen Ort und dem Internet geschaffen werden. Einen Anfang machen hier einige iPhone Applikationen. So kann der Mensch jederzeit mehr Informationen aus der Umgebung gewinnen als er mit seinen Sinnen wahrnimmt. An der Busstation liest er beispielsweise den Fahrplan oder Verspätungsmeldungen nicht mehr in der physischen Welt ab, sondern gleich im Internet an der Position an der er sich befindet. Oder jemand hinterlässt bei einem Brunnen eine Nachricht, vielleicht auch mit Bild oder Video angehängt.

  3. Guten Tag,
    über die Namensgebung “Web 3.0″ mag man streiten, aber zu den inhaltlichen Punkten folge Anmerkungen :
    Generell gilt in Zukunft noch mehr, fürchte ich: Schein ist wichtiger als Sein. Nur das der Schein anders hergestellt werden muss.

    Im Detail :
    zu 1) Jeder will das Gefühl haben, Zielgruppe 1 zu sein, aber praktisch wird es sie auch weiterhin geben. Wer es nicht glaubt, schaue auf die Teenager und was sie sehen/hören/reden – und folglich kaufen.
    Es wird allerdings erwartet, flexibler auf den Kunden einzugehen, um eben das Gefühl des Individuellen zu erleben.
    Die Profis werden aber auch dafür eine Checkliste und Gesprächsleitfäden in der Tasche haben.

    zu 2) Das Ende der Reklame, wie “Otto Normalanbieter” sie macht – ja. Productplacement, das Schöndeutsch für Schleichwerbung, wird noch mehr zunehmen ebenso wie Sponsoring und Einmischung in Inhalte. Sicherlich kein Ende der Reklame an sich.

    zu 3) Ein interessanter Punkt, der aber nicht nur für das kaufbare Produkt gilt, sondenr auch für Image der Firma, der Marke und damit auch des Produkts gilt.

    zu 4) Der “Habenwollen” Faktor im privaten Sektor wird bleiben, nur die Durchführung des Impulskaufs wird rationaler. Es wird allerdings zu einer schwindenen Rolle der Mittlerschicht kommen, die (hoffentlich) durch eine Rückbesinnung auf Servicebetriebe oder -dienste seitens der Produzenten kompensiert werden wird.
    Im B2B Umfeld werden Beschaffungsnetzwerke sicherlich die Vorreiterrolle übernehmen. Aber ob das so wahlfrei erfolgen wird oder sich Marktplatz Verbünde herauskristallisieren, wage ich nicht zu beurteilen.

  4. Web 2.0

    Ein anderer Ausdruck dafür ist: Export Civilization 2.0
    2004: 20 Milliarden € alleine aus Deutschland nach Südindien.

  5. Wenig fundiert und wenig Aussagekraft. Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen.

  6. Mit vielen der hier aufgestellten Prognosen würde ich nicht konform gehen. Vor allem, dass die Zielgruppe “1″ lauten wird, sehe ich überhaupt nicht.

    Ich würde eher auf das Gegenteil wetten.

    Und bei einer Betrachtung der Zukunft sich nur auf Onlinewerbung und Preisvergleiche zu beziehen, ist enorm engsichtig. Das wäre genauso, wie wenn man sich in einer Zukunftsbetrachtung des Straßenverkehrs nur auf die Farbgebung roter Stopschilder beschränkt.

    Für mich Null Aussagewert. Die wenigen Punkte, die angesprochen wurden, sind für mich sogar noch arg zweifelhaft.

  7. Unter Web 3.0 wird im Allgemeinen das Semantic Web (mit Userbeteiligung )verstanden. Der Begriff ist schon längst besetzt und wir hier völlig falsch verwendet.

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