Mit Verantwortung aus der Krise

Ulrich Schäfer: Der Crash des Kapitalismus

Ulrich Schäfer: Der Crash des Kapitalismus

In der aktuellen Weltwirtschaftskrise versuchen die Regierungen verzweifelt, die Kräfte des Marktes einzudämmen. Sie suchen nach neuen Wegen und Regeln, „die entfesselte Marktwirtschaft“ zu zähmen – ohne sie zu sehr zu beschädigen. Ulrich Schäfer vertritt die These, dass der Kapitalismus nur so lange überleben kann, wie er von einer Mehrheit getragen wird und er die Gesellschaft nicht zerstört.

Der Autor beschreibt in seinem Buch, wie eine Alternative zur hemmungslosen Markwirtschaft aussehen könnte und wie Gesellschaft und Wohlstand gerettet werden können. Der Wirtschaftsjournalist Ulrich Schäfer ist seit Anfang 2007 Ressortleiter der Wirtschaftsredaktion der Süddeutschen Zeitung. Für Schäfer ist der Kapitalismus in der heutigen Form gescheitert. Die gefährlichen Auswirkungen für die Gesellschaft sind noch gar nicht abzusehen. Es lässt sich allerdings schon jetzt feststellen, dass die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer wird und die Mittelschicht die Angst vor dem Abstieg packt.

Im Herbst 2008 erlebten die Finanzmärkte einen Zusammenbruch, wie es ihn seit der Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929 nicht mehr gegeben hatte. Die Folgen des Absturzes sind infolge der Globalisierung rund um die Welt zu spüren. Für Ulrich Schäfer steht fest, dass die Zeit des Niedergangs noch nicht zu Ende ist. Die Weltwirtschaft ist in den Sog einer Abwärtsspirale geraten, wodurch eine lange und schmerzhafte Rezession droht, wenn nicht sogar eine zweite Weltwirtschaftskrise.

In seinem Buch beschreibt Schäfer die dramatische Entwicklung der letzten Monate. Er beantwortet die Fragen, wie alles anfing, wie es weiterging und warum niemand etwas dagegen unternommen hat. „Der Crash des Kapitalismus“ erklärt, wie es zu dieser Katastrophe kommen konnte und welche Mittel den totalen Absturz verhindern können. Für Schäfer ist die Wirtschaft, wie sie die Menschen kennen, im Herbst 2008 untergegangen. Die Welt wird künftig eine andere sein. Der Autor hofft auf die Entstehung einer anderen Marktwirtschaft, einer sozialeren Marktwirtschaft.

Ulrich Schäfer ist davon überzeugt, dass die Krise des Kapitalismus lange nachwirken wird – sicher fünf oder zehn Jahre, vielleicht auch fünfzehn oder zwanzig. Momentan sind die Risiken für die Weltwirtschaft größer denn je. Wer die soziale Marktwirtschaft sozialer gestalten will, muss laut Schäfer jetzt handeln. Wer eine lange Rezession verhindern will, muss jetzt gegensteuern. Die Politik und die Wirtschaft dürfen nicht warten, bis es einen Aufstand der Unzufriednen gibt. Gegen das Klima der Gier und Verantwortungslosigkeit müssen sich allerdings auch die Bürger in ihren Rollen als Verbraucher, Sparer und Beschäftigte zur Wehr setzen.

Fazit: Der Kapitalismus hat nur dann eine Zukunft, wenn sich die Moral in der Gesellschaft verändert und alle begreifen, dass es neben dem Prinzip des Marktes auch das Prinzip der gesellschaftlichen Verantwortung gibt und der Staat wieder seine Schutzfunktion übernimmt. (hkl)

  • Der Crash des Kapitalismus
  • Warum die entfesselte Marktwirtschaft scheiterte
  • Ulrich Schäfer
  • Verlag: Campus
  • Broschierte Ausgabe: 326 Seiten, Auflage: 2008
  • ISBN: 978-3-593-38854-0, 19,90 Euro

1 Kommentar:

  1. Kluge Abgesänge auf den Untergang des Kapitalismus gibt es wie Sand am Meer. Platzende Blasen zum Anlass zu nehmen, das Ende der Marktwirtschaft herbeizuschreiben, ist ungefähr so hilfreich, wie die Gründe für schlechtes Wetter zu kritisieren. Bei allem Respekt für seine Gedanken, die der Buchautor sich gemacht hat, solche Bücher sind Gefasel. Deshalb hätte ich mir im Fazit der Rezension konkrete Gründe gewünscht, dieses Buch zu lesen, anstatt in den stereotypen Reigen einzustimmen. TJ

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