Für Peter Bofinger gibt es keinen Zweifel, dass die Marktwirtschaft noch lange nicht am Ende ist. Die Wirtschaftskrise offenbart allerdings die enormen zerstörerischen Kräfte eines Marktes, der nicht reguliert ist. Bofinger spricht sich daher für einen starken Staat aus, der über die Kompetenzen und Ressourcen verfügt, um die Kräfte des Marktes richtig zu kanalisieren. Denn nur wenn es gelingt, einen stabilen Wohlstand für alle Bürger zu garantieren, könne der Markt dauerhaft gerettet werden.
Peter Bofinger lehrt Volkswirtschaftslehre in Würzburg und ist einer der führenden deutschen Ökonomen, die für eine nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik stehen. Im ersten Abschnitt seines Buchs geht er der Frage nach, wie die Finanzmärkte gerettet werden können. Für den Autor steht fest, dass es neben der akuten Krisenintervention darum gehen muss, die staatlichen Regulierungen zur Bankenaufsicht grundlegend zu erneuern. Außerdem gilt es, eine stabile internationale Währungsordnung zu schaffen, die die entscheidende Voraussetzung für eine widerstandsfähigere Architektur der Finanzmärkte bildet.
Im zweiten Teil beschreibt der Autor, wie die Systemkrise der sozialen Marktwirtschaft abzuwenden ist. Für die große Mehrheit der Ökonomen besteht kein Zweifel daran, dass der Markt das beste Organisationsprinzip einer arbeitsteiligen Wirtschaft darstellt. Allerdings muss sich der Markt immer wieder aufs Neue dadurch legitimieren, möglichst vielen Menschen Wohlstand, Sicherheit und die Perspektive einer besseren Zukunft zu bieten.
Für Bofinger besteht das größte Problem hinsichtlich Akzeptanz und Legitimation des Marktes darin, dass es vor allem in Deutschland immer weniger gelungen ist, die aus der Globalisierung stammenden Gewinne gerecht zu verteilen. Wenn der Markt eine Zukunft haben soll, muss ein Weg gefunden werden, der den Arbeitnehmern eine gerechte Teilhabe am wachsenden Wohlstand der Volkswirtschaft sichert. Wenn es im nächsten Jahrzehnt wieder zu einer fairen Verteilung zwischen Arbeit und Kapital kommen soll, muss vor allem das Dogma der zurückhaltenden Lohnpolitik überwunden werden.
Deutschland befindet sich laut Bofinger am Scheideweg: Das Land kann sich entweder zu einem Minimalstaat oder zu einem aktiven Bürgerstaat entwickeln. Bei einer Fortsetzung des Wegs in den Minimalstaat kann es leicht zu einer Entwicklung kommen, an deren Ende die Marktwirtschaft und die Demokratie das Nachsehen haben. Aus ökonomischer Sicht gefährdet ein solcher Kurs die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft, da zu wenig Geld in die Bildung und in die Infrastruktur investiert wird. Nur ein starker Staat, der von der breiten Zustimmung seiner Bürger getragen wird, kann den Markt auf Dauer vor seinem eigenen Untergang bewahren und damit zugleich die Zukunft der demokratischen und Gesellschaft wie der Wirtschaft nachhaltig sichern.
Fazit: Das Buch ist ein gelungenes Plädoyer für eine neue Balance zwischen Markt und Staat, das sich zum Ziel gesetzt hat, die wirtschaftliche Dynamik wieder in einen Wohlstand für alle zu transformieren. (hkl)
- Ist der Markt noch zu retten?
- Warum wir jetzt einen starken Staat brauchen
- Peter Bofinger
- Verlag: Econ
- Gebundene Ausgabe: 252 Seiten, Auflage: 2009
- ISBN: 978-3-430-30043-8 19,90 Euro


