Ideen sind wichtiger als Produkte

Wolf Lotter: Die kreative Revolution

Wolf Lotter: Die kreative Revolution

Für Wolf Lotter steht fest: Ideen sind heute wichtiger und wertvoller als Produkte. Sein Buch ist allerdings keine einfache Betriebsanleitung für das, was Ideenwirtschaft ist. Es beschreibt aus der Position von insgesamt sieben Vertretern der Kreativwirtschaft und Kreativforschung Zugänge und Vorschläge, die den Leser anregen, ohne ihm die Entscheidung abzunehmen.

Der Autor hat etliche Mitstreiter eingeladen, um mit ihnen zusammen eine Landkarte der neuen Wirtschaft zu zeichnen. Die Mitautoren sind Lutz Engelke, Peter Felixberger, Dieter Gorny, Matthias Horx, Ralf Langwost und Gesa Ziemer. Wolf Lotter selbst ist Autor und Redakteur beim Wirtschaftsmagazin brand eins. Er hat mehrere Bücher veröffentlicht. Sein letztes Werk hieß „Verschwendung“.

In den unterschiedlichen Beiträgen von „Die kreative Revolution“ spiegelt sich das für Lotter wichtigste Kapital der Ideenwirtschaft: die Vielfalt – wozu er natürlich auch die Vielfalt der Meinungen zählt. Wer offene Konzepte und Meinungsvielfalt allerdings mit Chaos verwechseln will, dem wird dieses Buch nicht helfen und der wird sich auch in den neuen Zeiten der Ideenwirtschaft nicht wohl fühlen. Management betrachtet der Autor als die Kunst, mit Überraschungen umzugehen.

Die erste Lektion der Ideenwirtschaft heißt laut Lotter: Schätze den Unterschied! Denn die neue Form der Ökonomie hat keine klaren Konturen. Es gibt zwar grundlegende Gesetze, aber keine umfassende Methode. Der Kernsatz des Buchs und der Ideenwirtschaft überhaupt ist: Ideen lösen Probleme. Lotter definiert die Idee als eine originäre, nicht beliebig reproduzierbare, unverwechselbare Wissenseinheit.

In Zukunft wird weniger die Kenntnis von Regeln und Methoden als sie Fähigkeit zum Erkennen kreativer Prozesse und Talente über den Erfolg von Unternehmen entscheiden. Aus statischer Planung wird spontanes Erkennen und Entscheiden. Nur wer schnell handelt und offen denkt, wird die Möglichkeiten nutzen können, die sich in der Creative Economy bieten. Die Creative Economy ist für Lotter das Betriebssystem der Wissensgesellschaft: Wissen, Know-how, Ideen und Problemlösungen werden deutlich und nicht wie bisher nur am Rande der Wahrnehmung für Wohlstand und Entwicklung sorgen.

Im Epilog preist Wolf Lotter die größte Idee von allen, die Selbstständigkeit. Er zitiert darin den in den USA forschenden österreichischen Ökonomen Fritz Machlup, für den Kreativität selbstständiges Denken und Handeln ist, wobei der Mensch auf der Grundlage seines eigenen Wissens entscheidet. Der Wissenschaftler hat auch herausgefunden, dass Selbstständige effektiver arbeiten und per se kreativer sind. Für Machlup ist selbst die Problemlösung ein integrativer Teil der selbstständigen Arbeit.

Fazit: In seinem Buch zeigen Lotter und seine Koautoren eindrucksvoll, wo die kreative Ökonomie steht, welche Paradigmenwechsel anstehen und wie sich das Denken in der Wirtschaft ändern muss, um diese neue ökonomische Welt nicht als Bedrohung aufzufassen, sondern zum Wohl der Unternehmen zu nutzen. (hkl)

  • Die kreative Revolution
  • Was kommt nach dem Industriekapitalismus?
  • Wolf Lotter
  • Verlag: Murmann
  • Broschierte Ausgabe: 177 Seiten, Auflage: 2009
  • ISBN: 978-3-86774-062-3 18,00 Euro

Einen Kommentar hinterlassen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Sie können folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>