Es war 1984, als ich das erste Mal die Gebühreneinzugszentrale (GEZ) von ihrer hässlichsten Seite kennen lernte. Wenige Wochen zuvor war ich aus einem Stasigefängnis aus der DDR in den Westen entlassen worden, als der Westdeutsche Rundfunk bei mir klingelte. Der Herr vom WDR tat so, als wollte er mich zu eben diesem Thema interviewen. Dann zeigte er auf den Minifernseher, der als Monitor an einem Commodore-Computer angeschlossen war, und auf den Radiowecker neben dem Bett, zückte ein Formular und zwang mich zur Kasse.
Schwer irritiert entwickelte ich über die Jahre dennoch ein Grundverständnis für die Notwendigkeit einer Rundfunkgebühr. So wie für den Solidaritätszuschlag, den ich freiwillig für zehn Jahre zu akzeptieren bereit war, obwohl er für nur fünf Jahre veranschlagt wurde. Das ist 20 Jahre her. Seine Notwendigkeit empfinde ich inzwischen genau wie das Zwangsabo von ARD und ZDF als staatlich legitimierten Nepp. Spätestens seit der Einführung des Schutzgeldes auf internetfähige Computer wirkt die Argumentation der Profiteure wie rhetorischer Zynismus. Jüngstes Beispiel ist die kostenlose Tagesschau auf dem iPhone.
Das Erste möchte seinem öffentlich-rechtlichen Auftrag nun auch auf portablen Telefonen (!) noch gerechter werden, weshalb die Anwendung nichts kosten dürfe (was die verlegerische Konkurrenz am freien Markt auf die Palme bringt). Schlimmer noch: Die so genannte App – so heißen die von jedermann selbst programmierbaren Softwarehelfer auf dem iPhone – sei bereits über die Rundfunkgebühr bezahlt, weshalb sie kostenlos sein müsse. Wie bitte?
Nichts gegen kostenfreie Anwendungen, wenn sie nicht über amtlich verordnete Gebührenerhöhungen bezahlt werden, die eigentlich unbezahlbare Qualität finanzieren sollen. Während immer flachere TV-Formate neue Gebühren rechtfertigende Mediatheken füllen, digitale Sender gemütliches Fernsehen mit schwer vermittelbaren Tastenfolgen auf zusätzlichen Fernsteuerungen komplizieren, Nachrichtensprecher Sprechblasen für angeblich noch mehr Informationen im Internet wiederkäuen und vermeintlich keine Werbung nach 20 Uhr nur eine Frage der Interpretation ist, sollen genügend Gebühren übrig geblieben sein, um auf zusätzliches Geld zu verzichten? Wer’s glaubt, hofft auf eine Gebührensenkung.
Alle Argumente für noch mehr Rundfunkgebühren sind sozialistischer Auswurf eines profitierenden Filzes – im alten Osten die oberen 10.000 genannt – der eine einmal installierte Gelddruckmaschine melken darf, bis die Gemolkenen auf die Straße gehen. Deshalb habe ich die Petition von ComputerBild gegen die nächste Gebührenerhöhung der GEZ unterschrieben, auch wenn ich eher kein Leser dieser Zeitschrift bin und diese Aktion nur ein möglicher Anfang von etwas Handfesterem sein kann. Machen Sie mit, bevor der nächste Abschlag auf internetfähige Telefone real existierender Soli ist (TJ).







Wahrscheinlich werde ich mal völlig verdreckt aus meiner eiskalten, dunklen Wohnung gezerrt und eingesperrt werden, weil ich kein Geld mehr hatte meinen Fernseher und mein Radio rechtzeitig und legal zu entsorgen, nachdem mir Gas, Strom und Wasser ohnehin schon abgeklemmt wurden, die GEZ dafür weiterhin und rückwirkend, laufende Gebühren erfolglos einziehen wollte aber nicht konnte und bis dahin sicher Gesetze verabschiedet wurden, die dieses Vergehen auf die gleiche Stufe wie Geldfälschen gestellt haben …
P.S. Bitte lesen Sie auch meinen Kommentar auf die Stellungnahme des Chefredakteurs von ARD-aktuell zur Bild-Kampagne gegen eine kostenlose Tagesschau auf dem iPhone:
http://blog.tagesschau.de/?p=7439&cp=2#comment-50204