Interview

Online-Shopper wollen Rechnungskauf ohne Risiko

Kalle Peitz, © paymorrow

Kalle Peitz, paymorrow

Kalle Peitz ist gelernter Bankkaufmann und als Leiter Vertrieb und Marketing bei der paymorrow GmbH tätig. Das Unternehmen wickelt für Online-Shops den Rechnungskauf ab und verspricht eine Auszahlung der Umsätze nach Fälligkeit – auch wenn der Käufer nicht bezahlt hat. Das 2008 gegründete Unternehmen möchte es Online-Händlern ermöglichen, den unter Käufern so beliebten Rechnungskauf ohne Risiko anzubieten. Für Peitz bringt das Produkt Händler und Käufer zusammen: „Der Verkäufer lagert das Risiko aus, und der Käufer bekommt die Zahlart, die ihm gefällt.“

MittelstandsWiki: Ein Online-Händler kann faule Kunden aussortieren, indem er gegen Vorkasse liefert. Warum sollte er Sie zwischenschalten?

Kalle Peitz: Klar, jeder Online-Händler muss für sich bewerten, welche Bezahlverfahren er anbieten möchte. Sie müssen aber bedenken, dass Sie auch „gute“ Kunden abschrecken könnten, wenn Sie nur die Bezahlart Vorkasse anbieten. Die IZV10-Studie hat z.B. gezeigt, dass über 37 % der befragten Konsumenten den Kaufvorgang abbrechen, wenn sie ihre bevorzugte Bezahlverfahren nicht vorfinden, bei 60 % sinkt sogar das Vertrauen in den Online-Händler. Und viele Käufer bevorzugen nun einmal den Kauf auf Rechnung. Unser Produkt bringt also Händler und Käufer zusammen. Der Verkäufer lagert das Risiko aus, und der Käufer bekommt die Zahlart, die ihm gefällt.
 
MittelstandsWiki: Besteht bei Kauf auf Rechnung aber nicht die Gefahr, dass sich die Kunden vermehrt Artikel nur zur Ansicht bestellen, wie z.B. Kleidung in verschiedenen Größen, und sich dadurch die Retourenzahl erhöht?
 
Kalle Peitz: Ich finde das Wort „Gefahr“ falsch gewählt. Ich sehe es als Chance und Stärke für den Online-Shop, wenn er den Kauf auf Rechnung anbietet. Auch der Online-Shop muss seinen Kunden die Möglichkeit der Anprobe und Kontrolle geben. Nur so kann er den großen Vorteil des stationären Handels in Teilen mitgehen. Die Kosten, das Bezahlverfahren nicht anzubieten, sind aus meiner Sicht noch höher. Sicherlich können die Retouren ansteigen, allerdings steigt insgesamt der Umsatz und dieser Vorteil überwiegt.
 
MittelstandsWiki: Nun sind die Margen im Online-Handel doch meist recht mager. Rentiert es sich für den Händler da überhaupt noch, Sie dazwischenzuschalten? Und wer entwickelt die Schnittstellen?
 
Kalle Peitz: Wir halten für die ca. 20 gängigsten Shop-Systeme Schnittstellen vor. Falls es noch keine Schnittstelle gibt, steht Ihnen unser kostenfreier Integrations- und Support-Service zur Verfügung, d.h. wir unterstützen den Online-Händler und seine Entwicklungsagentur bei der Erstellung und der Einbindung der Schnittstelle. Was die Kosten anbelangt, muss man natürlich offen sagen, dass es sich erst dann rentiert, wenn die Marge höher ist als die prozentuale Gebühr für die Abwicklung.
 
MittelstandsWiki: Und welche Kosten kommen jetzt auf den Händler konkret zu?
 
Kalle Peitz: Der Online-Händler zahlt eine prozentuale Gebühr auf den Umsatzbetrag nebst einer geringen Transaktionsgebühr. Die prozentuale Gebühr liegt knapp oberhalb gängiger Kreditkartengebühren. Aber auch nur, wenn der Kauf über paymorrow abgewickelt und angenommen wird. Wir sprechen hier gerne von einer Win-Win-Situation. Im Durchschnitt bringt paymorrow einem Online-Händler 25 % Mehrumsatz – ohne zusätzliches Risiko oder Fixkosten. Und das mit der Sicherheit einer garantierten Zahlung.
 
MittelstandsWiki: Wenn Sie Insolvenz anmelden, gibt es aber gar keine Sicherheit mehr. Nicht für den Händler und auch nicht für den Käufer.

Kalle Peitz: Gerade deshalb ist die wöchentliche Auszahlung ein großer Vorteil für den Händler – so minimiert sich sein Risiko entsprechend. Dennoch – für den unwahrscheinlichen Fall einer Insolvenz haben wir natürlich Vorkehrungen getroffen. Wir arbeiten selbstverständlich mit getrennten Konten, bei denen wir die Zahlungsgelder nicht mit Geschäftsgeldern vermischen, und wir zahlen wöchentlich an unsere Händler aus. Außerdem arbeiten wir grundsätzlich nicht mit dem Geld unserer Kunden und Händler – das liegt täglich verfügbar bei deutschen Großbanken.

Das Interview führte Sabine Philipp.

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2 Kommentare:

  1. Im Grunde sollte man die Zahlungsarten, die man anbietet, genauso testen, wie auch den Rest einer Website. Das wohl schlechteste ist, wenn ein potentieller Kunde seine gewünschte Zahlungsweise nicht findet. Welche das ist, ist nicht zu pauschalisieren. Bei einem Anbieter von Baumaschinen im Internet wird es sich sehr negativ auswirken, wenn kein Rechnungskauf angeboten wird. In einem Shop für Handy-Zubehör, wäre es fatal, fehlte Paypal. Bietet man alles an Zahlungsarten an, was in Frage käme, sollte man die Reihenfolge testen. Dann wenn sich Menschen in diesem entscheidenden Checkout-Schritt überfordert fühlen, dann springen sie ab. Testen ist das A-und-O.

  2. Gut zu wissen, wie hoch die Dropout-Raten bei nicht vorhandener Zahlungsmethode sind. Ich denke, überhaupt bei älteren Usern macht die Zahlung auf Rechnung sehr viel Sinn, da das Vertrauen dieser User in andere Zahlungsmethoden nicht so stark gegeben ist.

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